
Maria lebt in einem kleinen Häuschen mitten im Wald. Schon ihren Vorfahren hat dieser Wald gehört. Sie haben im Wald gearbeitet und durch den Verkauf von Holz und Harz, Beeren und Pilzen ihren Lebensunterhalt verdient. Maria ist Künstlerin. Für sie ist der Wald Inspirationsquelle, Lebensschule und Ort zum Leben.
Als junge Frau war sie von Depressionen geplagt. Ihr Psychiater hat ihr gesagt: "Gehen Sie viel in den Wald. Das wird Ihnen helfen." Sie befolgte das. Sie bezog ein kleines Häuschen mitten in ihrem Wald. Jeden Tag streifte sie durch den Wald, beobachtete die Tiere, legte sich ins Moos und schaute gen Himmel. Sie sammelte Holz und Beeren und Pilze und atmete auf. Aus Stöcken und Wurzeln, die ihr unterwegs auffielen, erschuf sie zauberhafte Skulpturen. Und eine Fülle von Gedichten flog ihr zu. Allmählich wurde ihr klar, dass sie nicht für ein Leben unter vielen Menschen geschaffen ist. Im Wald ging es ihr viel besser als jemals zuvor. Anfangs hatte sie gedacht, dass sie nach einer gewissen Zeit wieder zurückkommt in ein Dorf oder in eine Stadt. Inzwischen weiß sie, dass sie das gar nicht mehr will. Sie lebt nun schon fast 30 Jahre in diesem Häuschen im Wald.
Ihr Großvater hatte auf den Rat der Forstbehörden gehört. Er hat alle Laubbäume in seinem Wald gefällt und hat alle Flächen mit Fichten bepflanzt, dicht an dicht. Nicht nur er hat es so gemacht. Viele Waldbesitzer haben auf diesen Rat gehört. So ist eine richtige Monokultur entstanden. Maria lebt in Schweden. Auch bei uns in Deutschland sind viele solche Monokulturen entstanden: im Schwarzwald, im Fichtelgebirge, im Fränkischen Wald. Marias Mutter hat von der Entscheidung ihres Vaters profitiert. Sie hat gut verdient am Verkauf des schnell wachsenden Fichtenholzes. Aber nun ist ein riesiges Problem entstanden, nicht nur in ihrem Wald, sondern auch bei allen Nachbarn ringsum. Der Wald ist von einer Borkenkäferplage befallen. Ein Baum nach dem anderen stirbt. Manche Bäume brechen einfach ab. Andere fallen im Sturm. Maria sieht und hört, wie die Bäume sterben, einer nach dem anderen. Es tut ihr in der Seele weh.
"Die Bäume sollten eigentlich viel älter werden als ich selbst", dachte sie. "Aber nun sterben sie lange vor mir. Einer nach dem anderen. Schrecklich!" Sie bekam große Angst und fiel zurück in die Depression. Schließlich sprach sie mit Biologen über die Situation. Einer sagte ihr: "Die Bäume sterben. Aber der Wald stirbt nicht. Er will sich erneuern. In dem Totholz und zwischen den Stämmen entsteht neues Leben. Neue Arten siedeln sich an." Sie dachte nach und atmete auf. Und sie fragte sich, ob sie zu dieser Erneuerung irgendwie beitragen könnte. Schließlich bekam sie eine wunderbare Idee. Auf ihren Streifzügen durch Wälder und Wiesen fand sie winzige Laubbäume, die sich an Böschungen, in Gräben und an anderen Stellen angesiedelt hatten. Vorsichtig grub sie sie aus und nahm sie mit in ihren Wald und pflanzte sie dort aus. Bäumchen für Bäumchen fand einen Platz zwischen den toten Fichten. Ihr Freund Johannes half ihr. Sie pflanzte Linden, Eichen, Eschen, wilde Kirschen, Haselnüsse und sogar ein wildes Apfelbäumchen. Nach dem 100. Baum hörte sie auf zu weinen. Sie war viel zu erschöpft dafür. Nach dem 800. gepflanzten Baum freute sie sich morgens wieder auf das Aufwachen. Jeden Morgen ging sie umher und sah, wie die Blätter sprießten und die Bäume grün und stark wurden. Inzwischen hat sie schon mehr als 2.200 Laubbäume in ihrem Wald angesiedelt. Der Wald wandelt sich zum Mischwald. Manche neu gepflanzten Bäume sind inzwischen schon größer als sie selbst. Sie kann schon zu ihnen emporschauen. Jeden Tag ist sie fasziniert von dem, was geschieht. Sie schöpft Hoffnung. Sie vertraut dem Leben. Und sie tut, was sie kann, im Vertrauen. Sie hat die Verzweiflung und die Lähmung hinter sich gelassen.
Ich habe ihre Geschichte durch einen kurzen Dokumentarfilm entdeckt. In diesem Film kommt sie zu Wort, und man kann sehen, wie sie lebt. Ganz faszinierend! Ich hänge diesen Film als Video an. Ich empfehle ihn sehr.
Alles Liebe und Gute für Sie und für Euch!
Gabriele Koenigs
Hier ist der Dokumentarfilm über Maria. Er dauert 18 Minuten und ist in englischer Sprache. Wenn man ihn in youtube ansieht, kann man allerdings über die Schaltfläche "Einstellungen" deutsche Untertitel einstellen. Die Schaltfläche "Einstellungen" erscheint unter dem Bild und sieht aus wie ein Rädchen.
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Hier können Sie die Vertonung des ersten Versesvon Psalm 42 hören, geschaffen von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 - 1847)
"Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser,
so schreit meine Seele, Gott zu dir".
So überzeugend, und sogar auswendig gesungen...
Viel Freude beim Anhören!
Hier ist ein neues Lied von der Liedermacherin Lea Morris, sehr schön! Sie spielt auf die Ostergeschichte an und sagt: "Roll away the stone", übersetzt: Roll den Stein hinweg! Deine Arbeit ist nicht umsonst. Du kannst eine Veränderung bewirken. Du bist nicht allein. Deine Gebete sind nicht vergeblich...
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